Viele Menschen reagieren auf Krisen nicht mit Angst, sondern mit Erschöpfung. Sie leiden unter einem inneren Dauerstress, der sich nur schwer abschalten lässt. Viele spüren Ohnmacht oder ein diffuses Gefühl ständiger Bedrohung.

Ich kenne das ja auch von mir selbst. Kaum schalte ich einen Nachrichtenkanal ein oder öffne eine Informationsplattform, ist sie da – die Krise. Sie ist ständig präsent: auf dem Smartphone und noch stärker in den sozialen Medien. Die Krisen der Welt sind aber nicht nur da, sondern fühlen sich auch sehr nah an.

Eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit ist deshalb nicht nur, was geschieht, sondern auch, wie viel davon wir gleichzeitig tragen können.

Es gibt ein paar Dinge, die tatsächlich helfen können. Keine Rezepte, sondern eine Orientierung.

1. Den Nachrichtenkonsum ganz bewusst gestalten.

Es ist wichtig, informiert zu sein. Wenn du aber ständig mit Informationen aller Art bombardiert wirst, führt das nicht zu mehr Klarheit, sondern zu Überforderung. Konsumiere Nachrichten deshalb ganz gezielt und nimm dir fixe Zeitfenster dafür vor. Vielleicht ein- oder maximal zweimal am Tag. Wähle deine Quellen dabei ganz bewusst aus und achte darauf, dass sie einordnen und nicht alarmieren.

Dabei geht es nicht darum, wegzuschauen, sondern auf dich zu achten. Das ist eine Voraussetzung, um handlungsfähig zu bleiben.

2. Ohnmacht wahrnehmen, ohne darin stecken zu bleiben.

Die meisten von uns können globale Krisen nicht direkt beeinflussen. Es kann sehr entlasten, das einfach anzuerkennen. Gleichzeitig hilft es, zu unterscheiden, was ausserhalb deiner Möglichkeiten liegt und wo du im Kleinen wirksam sein kannst.

Vielleicht durch ein Gespräch oder allein durch Zuhören. Durch deine eigene Haltung oder durch einen konkreten Beitrag in deinem Umfeld oder in einem Verein. Es ist nicht alles lösbar. Aber nichts ist wirkungslos.

3. Den eigenen inneren Zustand ernst nehmen.

Ein dauerhafter Krisenzustand hat immer Auswirkungen, auch wenn du nach aussen hin gut zu „funktionieren” scheinst. Wenn du ständig müde bist, dich zurückziehst oder zunehmend zynisch wirst, können das Warnsignale sein. Es ist keine Luxusangelegenheit, sondern notwendig, eine Pause zu machen, um klar und menschlich zu bleiben.

Achtsamkeit heisst, wahrzunehmen, wie es dir geht, bevor es kippt. Und Mitgefühl zuzulassen – auch dir selbst gegenüber.

4. Verbindung suchen und nicht alles alleine tragen.

Krisen wirken viel stärker, wenn du versuchst, sie allein zu verarbeiten. Austausch hilft immer. Damit meine ich keine Diskussion in den sozialen Medien (auch nicht auf LinkedIn), sondern echte Gespräche. Mit Menschen, die dir zuhören, ohne zu relativieren, zu urteilen oder zu bewerten.

Gemeinschaft, Freundschaft und Familie lösen keine Weltprobleme. Aber sie können dich durch sie hindurchtragen.

Und was heisst das für Organisationen?

Auch Organisationen sind Teil dieser Welt. Mitarbeitende bringen Sorgen, Bilder und Unsicherheiten mit zur Arbeit. Das beeinflusst ihre Konzentration, Motivation und auch die Zusammenarbeit, ganz gleich, ob darüber gesprochen wird oder nicht.

Was jetzt hilft, ist vor allem eine offene Haltung:

  • Indem man Räume schafft, in denen eine Belastung benannt werden darf, ohne Verurteilung oder Pathologisierung.
  • Durch Führung, die nicht alles weiß, aber Orientierung geben kann.
  • Mit einer Kultur, in der Pausen, Reflexion und ein Miteinander erlaubt sind. Und in der auch mal über Gefühle und Emotionen gesprochen werden kann.

Und zwar nicht als ein zusätzliches Programm im Rahmen des eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sondern als Teil des normalen Arbeitens.

Wir können die Weltlage weder beruhigen noch kontrollieren. Aber wir können beeinflussen, wie wir ihr begegnen und wie wir uns ihr gegenüber verhalten.

Unsere Zeit verlangt nicht nach Härte, Rückzug oder Einzelkämpfern. Sie verlangt nach Achtsamkeit, Mitgefühl und Gemeinschaft. Das sind keine abstrakten Werte. Es sind konkrete Entscheidungen. Jeden Tag.

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